Am Dienstag und am Mittwoch ist es in der Türkei zu zwei blutigen Amokläufen an Schulen gekommen. Bereits nach der ersten Attacke in Siverek im Süden des Landes rief eine türkische Lehrergewerkschaft zu einem zweitägigen Streik auf. Ihre Mitglieder versammelten sich am Mittwoch in der Hauptstadt Ankara, um gemeinsam zum Bildungsministerium zu ziehen. Der Vorsitzende der Gewerkschaft der Beschäftigten im Bildungs- und Wissenschaftsbereich, Kadem Özbay, wurde von den örtlichen Medien mit den Worten zitiert:
"Es reicht. Wir treten in einen zweitägigen Streik. Dieser Aufruf richtet sich an alle Beschäftigten im Bildungsbereich, an alle Gewerkschaften und an alle Bürger."
Der Plan, vor dem Bildungsministerium zu protestieren, ging aber nicht auf: Bevor die Streikenden ihr Ziel erreichten, stellte sich ihnen die Polizei in den Weg. Die Sicherheitskräfte richteten Absperrungen auf, was nur Öl ins Feuer goss. Es kam zu Schubsereien mit der Polizei. In den sozialen Medien machten entsprechende Videos die Runde.
Bildungsminister Yusuf Tekin rief seine Landsleute zur Ruhe auf und versicherte, dass die Behörden eine schonungslose Untersuchung durchführen würden. Man sollte nur ihre Ergebnisse abwarten.
Diese Antwort genügte den Protestierenden nicht. Die Gewerkschaft verschärfte sogar ihre Kritik an der Regierung. Özbay konterte den Minister:
"Es ist inakzeptabel, dass Sie trotz der gewaltsamen Vorfälle, die sich während Ihrer Amtszeit ereignet haben, nicht die Verantwortung übernehmen wollen. Sie müssen zurücktreten."
Am Dienstag hatte ein bewaffneter Teenager des Jahrgangs 2007 an einer Schule in der Provinz Şanlıurfa das Feuer eröffnet. Der Amokläufer verletzte 16 Menschen: zehn Schüler, vier Lehrer, einen Polizeibeamten und einen Kantinenmitarbeiter. Der Schütze beging nach der Tat Selbstmord. Seine Beweggründe sind bislang unklar. Laut Medienberichten soll er diese Schule bis zur 9. Klasse besucht und dann auf Fernunterricht umgestellt haben.
Am nächsten Tag erschütterte ein neues Massaker das Land. Diesmal ereignete sich die Tragödie an einer Schule in der Stadt Kahramanmaraş – ebenfalls im Süden der Türkei. Neun Menschen – acht Kinder und ein Lehrer – kamen ums Leben, 13 weitere erlitten teils schwere Verletzungen. Der Schütze hatte fünf Pistolen bei sich. Nach der Tat nahm er sich das Leben.
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