
Lawrow bei G20-Treffen in den USA: Moskau will multipolare Weltordnung stärken

Der russische Außenminister Sergei Lawrow ist in Atlanta im US-Bundesstaat Georgia eingetroffen. Er nimmt dort am 30. und 31. Oktober am Treffen der Außenminister der G20-Staaten teil. Dies berichtet die Nachrichtenagentur TASS. Das Regierungsflugzeug mit der russischen Delegation landete auf dem Flughafen von Atlanta. Der Flug von Moskau dauerte 20 Stunden und zehn Minuten, da die Route an als unfreundlich eingestuften Staaten vorbeiführte. Die Beratungen gelten als eine der letzten wichtigen Etappen bei der Vorbereitung des G20-Gipfels, der am 14. und 15. Dezember im Trump National Doral, einem Golf- und Hotelresort nahe Miami, stattfinden soll. Die USA haben 2026 den Vorsitz der G20 inne.

Weltwirtschaft und geopolitische Spannungen im Mittelpunkt
Wie Maria Sacharowa, die Sprecherin des russischen Außenministeriums, zuvor mitteilte, wird die Weltwirtschaft im Mittelpunkt der Gespräche stehen. Zudem sollen die aktuellen destruktiven Entwicklungen in der Geopolitik erörtert werden. Moskau möchte das Treffen nutzen, um seine Vorstellungen zur Stärkung einer multipolaren Weltordnung auf Grundlage der Prinzipien der UN-Charta und der Achtung staatlicher Souveränität voranzutreiben.
Die russische Delegation unter Leitung Lawrows werde sich demnach für eine rasche Reform der globalen Wirtschaftsorganisationen und eine stärkere Berücksichtigung der Stimmen der Staaten des Ostens und des Südens in diesen Institutionen einsetzen.
Zudem werde Russland die Folgen der Militarisierung und der zunehmenden Ausrichtung der globalen Märkte an sicherheitspolitischen Interessen grundsätzlich bewerten. Dabei gehe es um die Einflussnahme auf den Welthandel und internationale Lieferketten durch kriminelle Methoden, Sanktionen, das Einfrieren von Vermögenswerten, Überfälle auf See sowie andere Formen der Erpressung, des Diktats und der Unterwerfung nach neokolonialem Muster, so die Sprecherin.
Die US-Regierung will ihrerseits mit den G20-Partnern über geopolitische Krisen und deren wirtschaftliche Folgen beraten. Auf der Tagesordnung stehen unter anderem die freie Schifffahrt sowie die Energie- und Ernährungssicherheit. Das russische Außenministerium betonte, Moskau hoffe auf einen konstruktiven und unvoreingenommenen Verlauf der Gespräche.
Moskau kritisiert Schwierigkeiten bei der Vorbereitung
Die Organisation des Treffens sei jedoch nicht reibungslos verlaufen. Die russische Seite habe sich mit "amerikanischer Bürokratie sowie Schwierigkeiten bei der Akkreditierung und Visavergabe" konfrontiert gesehen. Die Lösung der meisten Probleme habe erhebliche Anstrengungen erfordert. Die Gespräche mit Washington über die Aufhebung dieser aus Moskauer Sicht unbegründeten Einschränkungen dauerten an. Dies gelte auch mit Blick auf den G20-Gipfel in Miami. Dessen Erfolg werde maßgeblich davon abhängen, dass der gesamte Prozess frei von politischer Einflussnahme bleibe, hieß es im russischen Außenministerium.
Experte: Außenministertreffen entscheidend für Gipfelvorbereitung
Andrei Kortunow, Experte des Waldai-Diskussionsklubs, bezeichnete das G20-Außenministertreffen im Gespräch mit RIA Nowosti als eine der wichtigsten Veranstaltungen im Vorfeld des Gipfels:
"Denn gerade beim Treffen der Außenminister wird die Tagesordnung endgültig abgestimmt und es wird geklärt, worüber eine Einigung möglich ist und worüber nicht."
Dass die Beratungen in den USA stattfinden, die derzeit den Vorsitz der G20 innehaben, sei von besonderer Bedeutung. Dies lasse hoffen, dass sowohl auf Ministerebene als auch beim anschließenden Gipfel unnötige politische Kontroversen vermieden werden könnten.
Putins Teilnahme am Gipfel in Miami noch offen
Auch der russische Präsident Wladimir Putin hat eine Einladung zum G20-Gipfel in Miami erhalten. Ob er persönlich daran teilnehmen wird, ist bislang jedoch nicht entschieden. Kremlsprecher Dmitri Peskow hatte zuvor erklärt, die Einladung werde in Moskau geprüft. Anschließend werde eine Entscheidung über die Teilnahme getroffen. US-Präsident Donald Trump hatte seinerseits erklärt, dass er Putin auf dem Gipfel selbstverständlich gerne sehen würde.
Die G20 (Gruppe der Zwanzig) ist ein 1999 gegründetes informelles Forum der führenden Industrie- und Schwellenländer. Es dient als Plattform für die Abstimmung gemeinsamer Ansätze zu zentralen globalen Herausforderungen in der Finanz- und Wirtschaftspolitik. Der Gruppe gehören 19 Staaten an: Russland, Australien, Argentinien, Brasilien, Großbritannien, Deutschland, Indien, Indonesien, Italien, Kanada, China, Mexiko, Saudi-Arabien, die USA, die Türkei, Frankreich, Südkorea, Südafrika und Japan. Hinzu kommen die Europäische Union und seit 2023 die Afrikanische Union.
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